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LUXURY CHAMPAGNES, WINES & SPIRITS

Ist älterer Whisky immer besser?

Es wird oft angenommen, dass ein älterer Single Malt der Bessere ist. Doch wie hoch ist die Aussagekraft einer Zahl auf der Flasche tatsächlich, wenn es um den Geschmack des Whiskys geht? Wir haben mit Gillian Macdonald, Head of Analytics & Whisky Creation bei Glenmorangie und Ardbeg gesprochen, um mehr darüber zu erfahren, was einen guten Single Malt ausmacht.

Laut Gesetz muss ein Scotch Whisky mindestens drei Jahre lang reifen. Viele der Flaschen, die Sie bei Clos19 finden, sind über ein Jahrzehnt alt. Und obwohl sein Alter meist eine besondere Rarität darstellt, gilt dies nicht immer auch für den Geschmack.

„Das Alter wird oft als Qualitätsmerkmal betrachtet“, erklärt Gillian. „Doch ein älterer Whisky ist nicht unbedingt besser als ein jüngerer Whisky. Tatsächlich ist das Alter nur einer von vielen Faktoren, die es bei der Auswahl eines köstlichen Tropfens zu berücksichtigen gilt.“

Woher kommt der Geschmack des Whisky?

Zu dem Zeitpunkt, an dem die Spirituose destilliert wird, hat sie bereits rund 40% ihres Aromas erworben – den unverkennbaren Charakter der Destillerie. Die verbleibenden 60% erwirbt sie im Fass, wenn die Spirituose zum Whisky reift. Dabei nehmen zahlreiche Faktoren Einfluss, wie etwa die Art der verwendeten Eiche, die Wärmebehandlung des Fasses, das Klima, der ehemalige Inhalt des Fasses – vielleicht ein Wein oder eine andere Spirituose … und die Zeit, die der Whisky im Fass verbringt.

„Wenn Sie Whisky reifen lassen, erhöht die Interaktion zwischen Spirituose und Holz mit der Zeit den Geschmack und die Komplexität der Spirituose“, sagt Gillian. „Jedes Mal, wenn sich die Spirituose durch die Holzkohle im Inneren eines Fasses in die Eiche hinein- und wieder herausbewegt, nimmt sie Aromen des Holzes auf. Additionsreaktionen sorgen für den Charakter, die Farbe und die Süße. Subtraktionsreaktionen entfernen nicht gewünschte Aromen und den rohen Charakter der Spirituose. Das Ergebnis sind ausgewogene Aromen durch oxidative Reaktionen.“

Die Wirkung der Reifung

Gemeinhin wird angenommen, dass ein Whisky besser schmeckt, je länger er reift. Doch ganz so einfach ist es nicht. „Verschiedene Aromen entwickeln sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Sie werden erstaunliche Aromen in einem 4 Jahre alten Whisky finden. Lassen Sie ihn 6 Jahre reifen, und Sie werden andere, aber ebenso erstaunliche Aromen finden... und so weiter.“

Als Beispiel führt Gillian zwei der neuesten Releases von Ardbeg an, die beide in Bourbon- und Sherryfässern gereift sind. Ardbeg Wee Beastie, ein fünf Jahre alter Whisky, ist der jüngste Whisky der Destillerie in Islay überhaupt. Im Vergleich dazu betrachten wir Ardbeg Traigh Bhan, einen Whisky in kleiner Auflage im Alter von 19 Jahren.

„Wee Beastie ist ein selbstbewusster, charakterstarker Whisky, der wilde Kraft und den Einfluss der rauchigen Destillerie von Ardbeg vereint. Am anderen Ende der Skala steht der 19-Year-Old. Er wurde über die Jahre vom Holz gezähmt und konnte tropische, reichhaltige Noten von Vanille entwickeln. Er schmeckt weit weniger torfig. Beide sind hervorragende Whiskys, doch sie sind grundverschieden.“

Wie sieht es mit Whiskys ohne Altersangabe aus?

„Whiskys ohne Altersangabe geben den Whisky-Schöpfern viel mehr Freiraum zum Experimentieren mit verschiedenen Aromen – ihnen steht die Flexibilität des gesamten Bestandes zur Verfügung. Glenmorangie Signet zum Beispiel ist eine komplexe Rezeptur aus vielen verschiedenen Elementen, von denen einige aus den ältesten Beständen von Glenmorangie stammen. Diese Flaschen brauchen keine Zahl – die Aromen von Mokka, dunkler Schokolade und süßen Gewürzen sprechen für sich.

Tatsächlich besteht die wahre Kunst eines Whisky-Schöpfers darin, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um den Whisky aus dem Fass zu nehmen und zu entscheiden, mit welchen anderen Fässern er kombiniert werden soll. „Bei einem wirklich großartigen Whisky geht es vor allem um Balance. Man möchte den Charakter der Destillerie erhalten und ihn lange genug im Holz reifen lassen, damit er seine bezaubernden, charakteristischen Aromen erhält und unerwünschte Aromen entfernt werden. Dann erforscht man, welche Fasskombinationen dem Whisky zu seiner vollen Blüte verhelfen.“

Und wie sich zeigt, ist Alterung nicht immer auch gut. „Wenn er zu lange reift, kann das Aroma des Holzes den Charakter der Destillerie übertönen. Manchmal jedoch erreicht man an einem gewissen Punkt eine Art Gleichgewicht, an dem Holz dem Whisky nicht unbedingt mehr etwas Neues hinzufügt.“

Wie man einen Whisky auswählt

Zunächst sollten Sie sich nicht zu sehr auf das Alter konzentrieren. Überlegen Sie stattdessen, „welche Aromen sie genießen möchten. Suchen Sie nach Wörtern, nach Farben und Hinweisen, die Ihnen anzeigen, welche Aromen Sie von einem Whisky erwarten können“, rät Gillian. „Und lesen Sie unbedingt die Verkostungsnotizen!“